KÜNSTLERBettina Graber

Bettina Graber ist 1976 im fränkischen Dettelbach geboren. Nach einer Ausbildung als Keramikergestalterin besucht sie seit 2003 die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Mit verschiedenen Materialien, insbesondere mit Interventionen durch Fäden, erstellt sie raumbezogene Inszenierungen. Sie lebt und arbeitet in Vorra im Nürnberger Land.

Zwei wesentlich Motive bzw. Materialien fallen in Bettina Grabers Arbeiten wiederholt auf: Architekturmotive und Fäden. Diese verarbeitet sie zu einer transparent und schwebend leichten Interpretation der räumlichen Situation im Verkaufsraum von Oberasbach. Stich für Stich erarbeitet sich die Nadel einen imaginären Weg auf Architekturpläne, über Raumgrundrisse und Treppen hinweg, als wolle sie seelische Landschaften erschließen. Deren Modellhaftigkeit wird so gänzlich aufgebrochen. Stattdessen erscheint auf dem durchscheinenden Papier eine Zeichnung, die die ebene Geometrie der Pläne in eine Räumlichkeit umwandelt, in der die vermeintlich uneinsehbare Rückseite sichtbare Vollständigkeit beschwört. Die Grenzen des Kunstprojektes sind im Bezug zum umgebenden Raum so unklar, dass zwischen beiden eine Kommunikation entsteht, die ausgesprochen vital und geheimnisvoll ist.

In der Münchner Ausstellung ‘Wunschbilder’ (5. Febr. – 27. April 2009) präsentiert sie mehrere Objektgruppen kleineren Formates, die auch von Bettina Grabers stets lebendiger und grenzgängerischer Seele als Keramikerin zeugen. Da sind zum einen – extra für Spitzbart produzierte – Treppenketten aus Keramik. Zum anderen wissen einige Arbeiten von Wünschen zu erzählen. Auf den Vorderseiten keramischer Quader, die in einem komplizierten konstruktiven Verfahren zu schweren und ganz stabilen Bildträgern geformt sind, befinden sich in einem lithografischen Verfahren aufgebrachte und mit einem seidig-matten UV-Lack geschützte Szenen, die von Fotografien stammen, wie sie wohl in fast jeder Familie verbreitet sind. Sie erzählen nicht nur retrospektiv von vergangenen Zeiten, sondern auch vom Sehnen nach diesen im Bild festgehaltenen, glücklichen Momenten, die man mit einem Hund, mit Freundinnen oder im Urlaub am Meer verbrachte. Sie erzählen von dem Wunsch diese Momente und Gefühle lebendig zu erhalten. Außerdem stammen von Bettina Graber auch Geweihe mit Häkelschonern. Sie sind Teile einer größeren Serie von Häkelobjekten, zu denen auch umhäkelte Pistolen und Panzer gehören. Ein gewisse Doppelbödigkeit ist hier ganz offenbar. Das Geweih als Kitschikone ist sehr verbreitet und mit einem gewissen undifferenzierten, nostalgisch-herzigem Sentiment verbunden. Gehäkelte Überzüge, wie wir sie von Häkelhäubchen für Klopapierrolle im Rückfenster von Autos kennen, sieht man nicht mehr so häufig, doch hängt ihnen in unserer Erinnerung ein gewisser miefigen Geschmack an. Dennoch: Eingestricktes und Eingehäkeltes gab es schon wiederholt im Werk Bildender Künstler und inzwischen es dieser Trend im Design angekommen, wie man der letzten ElleDecoration entnehmen kann, wo auch eine Kitschikone, nämlich die Kuckucksuhr, eingehäkelt zu sehen ist. Nun ist ja schon der Wert solcher Kitschikonen schwer verständlich und nicht so einfach auszuloten. Was passiert aber mit den Betrachtern, wenn sie vor solchen Objekten vor Rührung fast feuchte Augen bekommen? Ist dies nicht ein Reflex, der unseren Wunsch nach Schutz und Geborgenheit, nach Heimat, nach Harmonie mit der Natur, nach der Bändigung der mörderischen Kraft des Menschen spiegelt?

Arbeiten von Bettina Graber