KÜNSTLERSabine Straub

Sabine Straub wurde 1963 in Köln geboren. Bis Anfang der 90er Jahre studierte sie in Wien an der Hochschule für angewandte Kunst, verbrachte ein Gastsemester in St. John Cass in London und diplomiert an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim. 1993 erhielt sie den Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums, 1996 folgten ein Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern und des Départments Midi-Pyrenées/Frankreich, ein Stipendium des Stiftung Kulturfonds und der Brita-Kunstpreis/Traunstein. Auch in den folgenden Jahren wurde sie mit weiteren Stipendien ausgezeichnet, so 2002 mit dem des Künstlergutes Prösitz, 2004 des Landes Schleswig-Holstein und 2008 des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Entsprechend vielfältig ist ihre Ausstellungstätigkeit und die große Anzahl an öffentlichen Aufträgen für groß angelegte Plastiken im öffentlichen Raum, Installationen und Projekte im Bereich Kunst am Bau. Diese Arbeiten zeichnen sich durch eine ausgesprochen stilistische Vielfalt aus, die sich aus dinglichen, akustischen oder gar humorvollen Bezugnahmen auf die vorgefundene Situation sowie die gelungene Proportionierung und Dynamisierung der plastischen Massen entwickelt.

In der Ausstellung im Spitzbart ForumTreppe präsentiert Sabine Straub eine Auswahl von Wandreliefs und Skulpturen, die seit 2000 entstanden sind. Mit dem Ausstellungstitel ‚Modul-Strukturen’ gibt sie einen klaren Hinweis auf ihr gestalterisches Vorgehen. Sie verarbeitet geometrische und trigonometrische, oftmals serielle Grundelemente, die als offene, hohle Körper eine linear-zeichnerische Raumvorstellung offenbaren. Diese verbindet sie in kühl erdachten, aber experimentell erarbeiteten und vielfältigen Schichtungen, Reihungen und Spiegelungen. Die so entstandenen, vermeintlich nach logischen Gesetzmäßigkeiten entwickelten Konstruktionen werden aufgebrochen zu einem verwirrenden Formen-Spiel. Leicht variierende Proportionen und Abmessungen der Einzelteile bewirken, dass sich alle Arbeiten Sabine Straubs in einem Gewicht und Fragilität ausbalancierenden, sehr labilen Gleichgewicht befinden. Die fast bebend Anspannung, mit der diese Arbeiten zusammengehalten werden, ist hochkonzentriert und zugleich leicht, ja anmutig. Oftmals ertappt sich der Kunstbetrachter im Geiste beim Aufdröseln komplexer Formfügungen und beim Umstellen ihrer einzelnen Teile.
Sabine Straub legt viele ihrer Arbeiten in einem Sinn ‚großspurig’ an, dass selbst kleine Arbeiten mit Objektcharakter im Betrachter ein großes Bild hinterlassen, ihre Umsetzung in eine größere Proportion geradezu fordern. Im Spannungsfedl zwischen Micro und Macro ist jeder Dimensionssprung möglich.

So präsentieren Großplastiken aufbrechende Ordnungssysteme in einem dynamischen Prozess. Bodenplastiken sind in sich gefaltet, gestaucht und geformt. Sie kriechen als stufenförmige Gliederketten über unebenes Gelände und geben überall eine andere Figur. Filzpappe, deren Oberfläche changiert und die zur Berührung auffordert, spielt eine eigentümlich wesenhafte Lebendigkeit vor. Wandreliefs mit rhythmisierten oder rotierenden Formen können aus einfachen Reihungen bestehen, verunklären Raum und Tiefe in komplizierten Verschränkungen. Durch eingebaute Spiegelflächen wird das Leben und seine Wirklichkeiten in das Kunstwerk hineingeholt.

Arbeiten von Sabine Straub